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Die Musik ist ein wichtiger und omnipräsenter Bestandteil unseres Lebens. Sie ist eine universelle Sprache, die von jedem Menschen verstanden, interpretiert und gelebt werden kann. Sie besitzt die Qualität, Emotionen in uns zu wecken und uns mit anderen zusammenzubringen. Ohne es zu merken, suchen wir in der Musik oft eine Möglichkeit, unseren Gefühlen freien Lauf zu lassen. Manchmal stecken wir uns am Rhythmus der Musik an, lassen uns von ihr tragen und fangen frenetisch an, zu tanzen oder hören Lieder, um uns zu konzentrieren oder unsere Inspiration zu entfachen.

Das Verhältnis zwischen Musik und Stimmungsbild steht bereits seit Langem im Fokus der Forschung. Während sich Psycholog:innen vor allem mit den Auswirkungen verschiedener Genres auf unser emotionales Befinden beschäftigen, interessieren sich Neurowissenschaftler:innen dafür, was bei uns im Gehirn passiert, während wir Musik hören.

 

Der Einsatz von Musik im ÖPNV

Die Musik beeinflusst also nicht nur unseren Geist, sondern wie eingangs beschrieben auch unser Verhalten. Genau das wollen sich Institutionen, wie etwa der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV), zunutze machen.

Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa zufolge fühlt sich jede:r vierte Fahrgäst:in an Haltestellen und Bahnhöfen unsicher. Ich persönlich kann dieses Gefühl durchaus nachempfinden. Nach der Veröffentlichung der Ergebnisse geben Experten zu verstehen, dass viele Nutzer:innen zwar keine wirkliche Angst hätten, sie jedoch ein beständiges Unbehagen begleitet. Besonders bei Dunkelheit, beim Aufeinandertreffen mit fremden Menschen und beim Aufenthalt an unbelebten, verwahrlosten Orten stellt sich dieses Gefühl ein. Dieses Empfinden gilt seit Jahren als ein zentrales Problem im weltweiten öffentlichen Personennahverkehr. Aus diesem Grund machen sich die Verantwortlichen intensiv Gedanken, wie sie das Gefühl von Sicherheit an Bahnhöfen erhöhen können.

In England hat sich hierfür eine kuriose Methode durchgesetzt: Seit Jahren wird klassische Musik dazu genutzt, öffentliche Räume mit einer ruhigen Atmosphäre zu belegen und für Störenfriede unwillkommen zu gestalten.

Bereits im Jahr 2003 beschloss das Unternehmen Transport for London das Abspielen von klassischer Musik in U-Bahn-Stationen und erzielte damit bemerkenswerte Ergebnisse. Während des Testlaufs in einer Problem-Station im Jahr 2003 gingen laut Betreiber verbale Angriffe auf das Personal um 25 Prozent, Raubüberfälle um 33 Prozent und Vandalismus um 37 Prozent zurück. Musik kann somit als akustische Mauer für unerwünschtes Verhalten genutzt werden.

  

Laut der Musikwissenschaftlerin Lily Hirsch ist dieser Effekt auf die Wahrnehmung klassischer Musik aus Sicht junger Leute zurückzuführen. Für diese scheint die Musikrichtung „uncool“ und nur an alte, wohlhabende Menschen gerichtet zu sein. Hirsch ist sich sicher, dass Jüngere damit durchaus erfolgreich abgeschreckt werden können. Dabei reduziert sich das Gewaltpotenzial jedoch nicht grundsätzlich, vielmehr verlagert es sich andernorts. Die gewonnenen Erkenntnisse zeigen dennoch auf, wie anhand geeigneter musikalischer Maßnahmen bestimmte Personengruppen vom störenden Verweilen abgehalten und dadurch potenziell kriminelle Aktivitäten verhindert werden können. 

 

Verdrängung durch atonale Musik

Während in einigen Städten klassische Musik bereits als etwas Harmonisches und Beruhigendes eingesetzt wurden, kündigte die Deutsche Bahn 2018 Musik als Mittel gegen den Aufenthalt unerwünschter Personen an. Die S-Bahn-Station Hermannstraße ist ein bekannter Problemort für Kriminalität, Drogenkonsum und Obdachlose. Atonale Musik sollte dort in verschiedenen Lautstärken abgespielt werden, um zu testen, wie effektiv sie Herumtreiber:innen vertreibt, ohne dabei die Fahrgäst:innen zu verärgern. Die Dauerbeschallung dieser disharmonischen Musik hätte jedoch nicht nur unerwünschte Personengruppen, sondern auch Fahrgäst:innen abgeschreckt, weshalb das Pilotprojekt vorzeitig wieder abgesagt wurde.

Atonale Musik zeichnet sich dadurch aus, dass sie keine Grundtonart hat und dementsprechend unangenehm für das menschliche Gehör klingt.

Auswirkungen der disharmonischen Musik

Psychologische Studien haben gezeigt, dass das Hören von atonaler Musik bei Laien den Blutdruck erhöht und Unruhe und Angstzustände verstärkt. Die Bahn erhoffte sich dadurch, dass dies die Menschen vom Verweilen abhält.

Bereits seit einigen Jahren werden in Bahnhöfen europäischer Großstädte wie Hamburg Personen mit klassischer Musik berieselt – mit dem Ziel, ungewünschte Menschen vom Bahnhof fernzuhalten. Stattdessen hat sich die Musik als angenehmer als gedacht herausgestellt und die Menschen eher zum Verweilen eingeladen.

Die Beispiele zeigen auf, dass Musik durchaus ein spannendes Mittel für eine gewünschte Verhaltensänderung sein kann. Wir von Smart Nudging wollen diese Nudging-Möglichkeiten auch für den ÖPNV untersuchen. Der Einsatz von Musik wird bei uns dafür eingesetzt, Mitfahrende der SSB am U-Bahn Gleis gleichmäßig zu verteilen. Mithilfe der unterschiedlichen Beschallung am Bahnsteig soll die Effizienz bei Ein- und Ausstieg erhöht werden.

Verfolgt uns bei unserer Reise auf www.smart-nudging.de und auf Instagram unter @smart_nudging.

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